Exkurs in die Vorzeit

Etwas über die Anfänge und Entwicklung der Verkehrstechnik zu schreiben bedeutet, bis zu den Anfängen der menschlichen Zivilisation zurückzugreifen. Auch die primitivsten Fahrzeuge spielten ja eine wichtige Rolle in allen Bereichen der menschlichen Tätigkeiten, in allen Zeiten und allen Nationalitäten. Zwischen dem Rad eines Fahrzeuges und der Kultur der Menschheit besteht ja seit den Uranfängen eine seltsame Beziehung, die gleich alt ist wie die Kultur der Menschheit selbst.
Die Frage, wann es unserem Planeten das erste Rad an der Radachse gab, wird vermutlich nie beantwortet. Die Archäologie wies uns unwiderleglich die Existenz einfacher Zweirad-Fuhrwerke vor über zehn tausend Jahren nach. Die Zeichnungen an Felsen des europäischen Nordens, primitive, in China, Indien und weiteren Gebieten uralter Kulturen gefundene Spielzeuge und Modelle schieben diese bahnbrechende Erfidung immer weiter und weiter in die Vergangenheit. Von alten Zweiradwagen mit vollen Holzrädern, wie wir sie aus Lehrbüchern für Geschichte kennen, ging die Entwicklung unaufhaltsam vorwärts, über leichte altertümliche Renn- und Kriegswagen, bis hin zu luxuriösen Kutschen und schnellen Postwagen.
Verschiedene Umstände in der Geschichte der Menschheit beschleunigten ihre weitere Entwicklung. Es war vor allen Dingen die Landwirtschaft, die wichtigste Komponente der menschlichen Arbeit aller Rassen und Zeiten. Eine große Rolle spielte der Handel und wie bei fast den meisten neuen Erfindungen trugen vor allem Kriege zu der Entwicklung in diesem Bereich der Technik bei.
Die Bedeutung des Wagens wurde bei alten Kulturen insoweit anerkannt, daß z. B. bedeutende Krieger mit Kriegswagen bestattet wurden, wovon zahlreiche Funde aus der Bronze- und Eisenzeit Zeugnis geben. Sehr interessant sind in verschiedenen Ländern gefundene Votiv-Bronzewagen, die bei Gottesdiensten genutzt wurden. Solche wurden in Böhmen z. B. in der Höhle Býèí skála (Stierfels) oder bei Milaveè bei Taus gefunden. Auch der primitive Wagen der Vorzeit wurde in vielen Ländern durch Sondergesetze geschützt. Z. B. in Rom wurde der Wagen eines Bauern als Gegenstand des täglichen Bedarfs, auf welchem das Getreide zusammengefahren wurde, insoweit geschützt, als er durch die Gläubiger nie beschlagnahmt werden durfte. Dieses altrömische Recht galt noch unter der Regierung des französischen Herrschers Karl VIII. im 15. Jahrhundert und Ludwig XIV. im achtzehnten Jahrhundert.


Oben: Kriegswagen aus dem alten Ägypten, unten: leichter Jagdwagen aus dem alten Ägypten


Zeremonienwagen aus der Bronzezeit, bei Dejbjerg in Danemark gefunden


Sog. goldener- oder Hochzeitswagen


Primitive Räder der ältesten Wagen


Wagen auf einem Gemälde aus dem 14. Jahrhundert


Postwagen mit Federn in Form von Krebsscheren