Fabrikmäßige Herstellung von Kutschen

Das Vorrecht zur Herstellung von Kutschen hatten zuerst Schmiede, Riemenschneider und auch Zügelmacher. Die Berichte darüber stammen aus den Jahren 1562 bis 1597. 1715 erhielten auch Sattler dieses Vorrecht. Erst nach der Verkündigung der ersten Gewerbeordnung am 1859 werden spezielle Hersteller erwähnt, die Kutschenbauer. Eines der Probleme beim Kutschenbau war der Mangel an geeigneten Rohstoffen in den böhmischen Ländern. Z. B. Leder mit geeigneter feiner Appetur mußte aus Mainz und Worms importiert werden, Holz (Überseeholz, Nußbaum- und Pappelholz) wurde in der Regel in Amerika, Stahlfedern in Offenbach und Steyr, lackiertes Leder in England, Seidenstoffe, Tapzierungen, feine- und Ziegenleder in Frankreich bestellt.
Die tschechischen Kutschen wurden vor allen Dingen in Prag und Pilsen hergestellt und nach Deutschland, Rumänien, auf den Balkan, in den Orient und nach Rußland exportiert. 1890 waren in Böhmen 12 Kutschenfabriken registriert, davon 4 in Prag und 1 in Pilsen. In diesem Jahr waren in Prag 20 und auf dem Lande 80 Sattler registriert. Die Produkton betrug ca. 1 500 Kutschen und in ganz Österreich-Ungarn rechnete man mit einer Produktion von 2 360 Straßenfuhrwerken.

In den USA wurden im Jahre
1890
1900
Familien- und Luxuswagen
841 305
907 482
für den öffentlichen Verkehr
3200
2316
Geschäfts- und Lastwagen
433 010
575 351
Schlitten jeder Art
87 161
118 222

hergestellt. In Österreich-Ungarn betrug 1891 die Kutscheneinfuhr 150 Stk. , die Ausfuhr betrug 934 Stk. Im Jahre 1900 waren es 426 und 852 und im Jahre 1903 338 und 473 Stk. , im Vergleich zu Amerika also sehr wenig. 1902 gab es in der ganzen Monarchie 386 Wagenfabriken mit 8 415 Arbeitern. Daneben existierten 10304 Hilfsgewerbe für den Wagenbau mit 21 891 Arbeitern. 1906 existierten 9 größere Unternehmen mit im Durchschnitt je 18 Arbeitern, 21 Unternehmen mit durchschnittlich je 33 Arbeitern, 5 Unternehmen mit je 60 Angestelten, 4 Unternehmen mit im Durchschnitt je 172 Angestellten und 8 Unternehmen mit durchschnittlich 840 Personen.
In der Österreichischen Monarchie begannen sich spezialisierte Fabriken und Industriebetriebe mit der Kutschenproduktion zu beschäftigen.
1844 wurde in Wien die Hof-Wagenfabrik J. Rohrbacher, zwei Jahre später in Pilsen die Kutschenfabrik "V. Brozík und Sohn" und 1853 die von uns betrachtete Kutschenfabrik "Schustala & Comp" in Nesselsdorf gegründet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren hier auch kleinere Unternehmen und Werkstätten tätig, die vor allem auf einem hohen professionellen Niveau der einzelnen Handwerker aufgebaut waren. Als Beispiel dient die Herstellung von Kutschenkarosserien und -fahrgestellen von J. Haucker in Jauernig bei Freiwaldau und an anderen Orten.


Die älteste erhalten gebliebene Fotografie des Objekts des ehemaligen Gemeindehauses Ansicht von dem alten Friedhof aus


Das ursprüngliche Gemeindehaus mit Anbauten auf der Zeichnung des in Nesselsdorf Gebürtigen Ludvík Bortl (Archiv des Museums Gemeindehaus)


Das älteste bekannte Logo der Firma Schustala & Comp.


Die ursprüngliche Scheune des Gemeindehauses, wo Ignác Schustala 1850 die erste manuelle Herstellung der Barutschen und Kutschen aufnahm. (Die Scheune wurde in den neunziger Jahren durch das Unternehmen Tatra restauriert).


Kutschenfabrik um das Jahr 1872


Werbedruck aus dem Jahre 1876